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Wir auf dem Carbon Farming Summit 2026

Wir auf dem Carbon Farming Summit 2026 in Padua

DaKoBi Methoden beim Carbon Farming Summit: Zwischen Systemlücke und Umsetzungschance

Beim diesjährigen Carbon Farming Summit haben wir unsere DaKoBi-Methoden erstmals im europäischen Kontext vorgestellt – mit einer klaren These: Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, reicht es nicht, Emissionen zu reduzieren. Wir müssen zusätzlich große Mengen Kohlenstoff aus der Atmosphäre zurückholen und verlässlich im System halten. 

Die Gespräche vor Ort haben diese Einschätzung in bemerkenswerter Klarheit bestätigt. 

Viele der aktuellen Ansätze bewegen sich in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite stehen technisch hochentwickelte CO₂-Entnahmelösungen, die zwar langfristige Speicherung versprechen, aber mit hohen Kosten, Energieeinsatz und zentralisierter Infrastruktur verbunden sind. Auf der anderen Seite klassische Carbon-Farming-Methoden, die zwar breit anwendbar sind, deren Wirkung jedoch oft oberflächennah bleibt und in ihrer Dauerhaftigkeit begrenzt ist.

Genau zwischen diesen beiden Polen wurde DaKoBi von vielen Gesprächspartnern eingeordnet – als ein Ansatz, der eine bislang unzureichend adressierte Lücke schließt.

 



 Was dabei besonders hervorgehoben wurde, sind drei Aspekte: Erstens greift DaKoBi ein reales, wachsendes Problem auf – überschüssige Biomasse aus extensiver Landwirtschaft und Landschaftspflege, für die es bislang kaum tragfähige Nutzungspfade gibt. Statt diese ungenutzt zu lassen oder kostenintensiv zu entsorgen, wird sie gezielt in den Boden zurückgeführt und kann dort gleichzeitig zur Verbesserung von Bodenstruktur und Wasserhaltefähigkeit beitragen.

Zweitens adressiert der Ansatz die Frage der tatsächlichen Kohlenstoffbindung. Durch die Verlagerung in tiefere Bodenschichten entsteht die Perspektive einer deutlich langfristigeren Speicherung – und damit ein Beitrag zu genau dem, was in der Klimapolitik zunehmend gefordert wird: zusätzliche, belastbare Senkenleistungen.

Drittens wurde die praktische Umsetzbarkeit betont. DaKoBi baut auf bestehender landwirtschaftlicher Infrastruktur auf, ist dezentral anwendbar und prinzipiell in vielen Regionen übertragbar. Gerade in einer Phase, in der viele Betriebe wirtschaftlich und strukturell unter Druck stehen, wurde dies als potenziell relevanter Baustein für neue Einkommensperspektiven wahrgenommen.

Gleichzeitig wurde auch klar benannt, wo wir stehen: Der Ansatz passt derzeit noch nicht eindeutig in bestehende europäische Rahmenwerke. Insbesondere im Kontext des European Commission-Rahmens für Carbon Removal Certification Framework (CRCF) fehlt aktuell ein klar definierter methodischer Pfad. Doch genau darin liegt aus unserer Sicht kein Widerspruch, sondern eine notwendige Entwicklungsphase. Die Rückmeldung war eindeutig: Solche Ansätze werden gebraucht, um diese Lücke überhaupt erst zu schließen.

Parallel dazu zeigt sich ein übergeordneter Trend, den wir ausdrücklich begrüßen: die Abkehr von einer rein CO₂-zentrierten Betrachtung hin zu einer ganzheitlichen Bewertung von Landschaftsleistungen. Themen wie Biodiversität, Wasserhaushalt und Bodenqualität gewinnen an Bedeutung, und Begriffe wie „Nature Credits“ werden zunehmend konkret diskutiert. Gleichzeitig bleibt CO₂ aktuell die zentrale Referenzgröße – nicht zuletzt, weil es vergleichsweise gut messbar und politisch anschlussfähig ist. Initiativen wie der geplante europäische Buyers Club unterstreichen diese Entwicklung.

Ein wichtiger Termin in diesem Zusammenhang ist die kommende Fachveranstaltung der
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) am 23. Juni.

Dort wird unter anderem Christian Holzleitner aus der Europäischen Kommission sprechen und die weitere Entwicklung auf europäischer Ebene einordnen. Diese Veranstaltung wird ein wichtiger Gradmesser dafür sein, wie sich neue Ansätze künftig in den regulatorischen Rahmen einfügen können.

Was wir mitnehmen
Für uns war der Summit vor allem eines: eine Bestätigung.

  • Dass die Lücke, an der wir arbeiten, real ist
  • Dass der Bedarf an praktikablen Lösungen wächst
  • Und dass der Zeitpunkt richtig ist, diesen Weg weiterzugehen

Besonders wertvoll war auch der Austausch mit unseren bestehenden wissenschaftlichen Partnern – darunter das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das ZALF und die Universität Greifswald – sowie neue Kontakte im Bereich Messung und Monitoring, von Fernerkundung bis hin zu praktischen Vor-Ort-Ansätzen.

Ausblick
Was jetzt folgt, ist weniger eine theoretische Frage als eine praktische: Wie bringen wir solche Ansätze in die Fläche? Die Diskussion ist da. Die Notwendigkeit ist unstrittig. Und erste Bausteine für Umsetzung, Messbarkeit und Finanzierung entstehen gerade. Wir nehmen aus dem Summit mit, dass wir mit DaKoBi einen relevanten Beitrag zu dieser Entwicklung leisten können – und dass die nächsten Schritte jetzt gemeinsam mit den richtigen Partnern gegangen werden.

Kontakt: Klimaressort Tobias Till Keye keye@ausgleich.org